Kunito Nagaoka 1976
Galerie Lietzow

Zu den Radierungen von Kunito Nagaoka

Kunito Nagaoka ist Japaner, lebt jedoch seit neun Jahren in Berlin. Fernöstliche Mentalität und die aus der Kunst- und Geistes-Tradition Japans überbrachte Souveränität der geistig-ästhetischen Diktion begegnen in Nagaokas künstlerischer Arbeit den Wertigkeiten, die der Künstler aus persönlichen Erfahrungen, Erkenntnissen, Erlebnissen in Europa, in Deutschland, für sich akzeptierte und kreativ zu sublimieren vermochte.

Der heute 35jährige Nagaoka gehört zu der kleinen Gruppe von Künstlern, die sich in geradezu faszinierender Ausschließlichkeit der Druckgrafik verpflichtet haben. In der seinem Werk eigenen Homogenität von inhaltlicher, handwerklicher und ästhetisch-gestalterischer Wertigkeit ist Nagaoka allerdings ein originärer Einzelfall. Einzigartig die von umfassender Kenntnis und Erfahrung geprägte Souveränität der Behandlung des druckerischen Vorgangs – angefangen bei den feinnervig gesetzten Strukturen von Zeichnung und Ätzung auf Metall, über die empfindsame Einfärbung der Druckplatte mit einer oder mehreren Farben, bis hin zum Druck der Radierung, den Nagaoka, zwei auflagen ausgenommen, immer noch in strenger Selbstkontrolle vornimmt.

Faszinierend ebenfalls die Meisterschaft, mit der Nagaoka der Farbe sublime Tonigkeiten, atmosphärisch sensible Nuancierungen abzugewinnen vermag. Eine objektivierende Distanz des künstlerischen Ausdrucks enthebt sein Werk hierbei den Bereichen des Sentimentalen.

Nagaokas Landschaften entbehren der vordergründigen Idylle, ihre merkwürdige unvegetative Beschaffenheit, ihre anorganisch-synthetische Tektonik muten utopisch und visionär an. In den letztenstandenen Radierungen steigert Nagaoka die sonderbare Nichtrealistik seiner Landschaften entschieden ins Dramatische. Der anscheinende Gegensatz zwischen räumlich-plastischer Formalgestaltung und einer durch sensibel ertastete Farbtonigkeiten erzielten atmosphärischen Stille lassen Landschafts-Szenarien von großartiger Eindringlichkeit und Dramatik erstehen.

Godehard Lietzow